[fognin] Watt im Watt war

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Scherenschnitt Schattentheater im Kabuff
Wenn es draussen so richtig ungemütlich winterlich ist, es regnet und hagelt und der Wind kalt durch die Strassen pfeift, dann gemütlich mit anderen netten Leuten in dem heimeligen intimen Raum des Figurentheater im Kabuff zu sitzen und einer humorvollen und kunstvollen Geschichte lauschen – was gibt es schöneres?
Gelegenheit dazu gab es am Sonntag Abend. Anna-Maria Schlemmer aus Hamburg gastierte in der Kleinkunstbühne und hatte einen Karton voller Geschichten, Bilder, Schauspiel und Performances mitgebracht. Der Karton ist wörtlich zu verstehen: Ihre handliche Bühne war ein mal ein Verpackungsmaterial. Inzwischen, mit kunstvollen Bühnenbildern mit wirkungsvollen Scherenschnitten und einer Lampe ausgestattet, ist sie Teil der Aktionsfläche, die Anna-Maria Schlemmer nutzt um ihre Geschichte vorzutragen. Das kleine Theater wird Wirkungsfläche, sie nutzt es als Pult um dahinter aufzutauchen, und mit viel Mimik und körperlichen Einsatz ihren Figuren Leben einzuhauchen. Da erzählt sie teilweise versteckt die Geschichte der handelnden Figuren, taucht sie auf um mit schauspielerischen Können ein Gedicht einzuflechten. Oder sie lacht hoch und grausam, nicht ohne die Zuschaenden vorher zu warnen, dass sie nicht dem Tinnitus anheimfallen.
Sie erzählt von Eva, die an der Westküste Urlaub macht. Und Helga, die als Hexe mit dem Softie Fiete direkt hinterm Deich wohnt. Und dem Wattführer, der tagein- tagaus den Touristen die Schönheiten des abwesenden Meeres nahebringt. Und erklärt warum ganz viele Wattwürmer sich verkrümmend durch ihr Bühnenbild tanzen.
Märchenhafte stimmungsvolle Elemente, viel Humor und ein schalkhaftes Augenzwinkern – Schlemmer entwickelt ihre unterhaltsame Geschichte mit ihren schwarzen Figuren und setzt durch ihren gekonnten Vortag bunte Farben in die Erzählung. Man merkt der Künstlerin an, dass sie weltweit mit ihren Theater gearbeitet hat und mit Zwischentönen und ihrer Ausstrahlung das Publikum jenseits der Worte in den Bann schlagen kann. So erzählte sie zum Abschluss des Kleinkunstabends, dass sie in den Anden vor über 200 Einheimischen ihre Geschichten aufführte, ohne ein Wort Spanisch zu können. Nur mit einfachen Geräuschen die Kinder und Erwachsene überall verstehen. Seit mehr als zehn Jahren reist sie mit ihren animierten Figuren, ihren phantastischen Geschichten und mit einer mitreissenden Spielfreude um die Welt, um Kleine und besonders auch grosse Menschen zu faszinieren. Als echte Künstlerin macht sie alles selber: Von der Idee, dem Bühnenbild, den Figuren und der sich jeweils immer etwas anders entwickelnden Geschichte, alles ist von ihr durchgestaltet.
Das Kabuff als intime Kleinkunststätte bietet einen geradezu idealen Rahmen für solche etwas anachronistischen Veranstaltungen, Publikum und Akteure sitzen eng zusammen und wenn es dann draussen so richtig garstig ist, steigert das nur die Gemütlichkeit und verhilft zu einem unvergesslichen Abend. (fst)


Von Blogger am 12/08/2011 03:50:00 PM unter fognin eingestellt

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