Hannes Domke

Hannes Domke_002474_2006-09-17_fognin_grafix Geboren 1986 in Eckernförde, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und sich selbst über Umwege (Schleswig, Colorado, Wuppertal) schließlich in Berlin gelandet, wo er seitdem „was mit Medien“ macht. Außerdem Autor eines sehr erfolgreichen Kriminalkurzromans, Ausstellungsobjekt in der Frühstücksbühne und Verfasser einiger mehr oder weniger amüsanter Kurzgeschichten.
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Billiges Nuttenparfüm

Der Ehemann fuhr in seinem Mittelklassewagen nach Hause. Er stank nach billgem Nuttenparfüm. Hatte gerade neunzig Mark im Puff an die Nutte bezahlt. Jetzt gings nach Hause zu der Frau und den Kindern. Er hatte unterwegs angehalten und seiner Frau eine Flasche Nuttenparfüm gekauft. So hatte sie auch was davon. Das war wohl auch der Grund, wieso sie ihn geheiratet hatte. Weil er immer so aufmerksam ist. Was für ein liebevoller Mensch. Aber seit der Euroeinführung sind ja auch die Nutten teurer geworden und in der Haushaltskasse klafft ein riesiges Loch. Die Kinder arbeiten schon von morgens bis abends auf dem Feld. Mehr ging nicht. „Oh, danke Schatz, dass du mir dieses Nuttenparfüm mitgebracht hast! Wie lieb du bist! Wie wars heute auf der Arbeit?“ Scheiss Arbeit, denkt er sich. Genauso scheisse wie du und die verdammten Nutten mit ihrem scheiss Parfüm.

Hannes Domke

Grünkohl & Pferdewurst

„Schatz, kauf mir einen Brilliantring“ sagte die dicke Ehefrau.

„Du hast wohl noch nie was von Erderwärmung gehört, du alte Schabrake?!“ schrie er sie an.

„Erzähl DU mir nichts von Erderwärmung, du bekommst ja noch nichtmal mehr einen hoch!“ erwiderte sie, schon leicht beleidigt.

„Ach, halt deine verdammte Fresse und mach uns Grünkohl mit Pferdewurst!“ schrie er, noch lauter als zuvor.

Da sahen die beiden aus dem Fenster, erblickten die schöne Herbstlandschaft im goldenen Sonnenlicht und weinten.

Er nahm sie in die Arme und sagte: „Es tut mir leid, dass ich dich immer wie Scheisse behandel, aber der Herbst…der macht mich immer total fertig.“

„Gut dass es unser letzter Herbst ist“ säufzte sie und öffnete eine große Dose Grünkohl, denn ihr Mann war ein guter Esser.

King Kong in Neukölln from Hannes Domke on Vimeo.

Hermann der lesbische Backofenverkäufer

Hermann hatte Kopfschmerzen. Schon seit Tagen. Kein Mensch wollte einen Backofen kaufen, schon gar nicht von einem lesbischen Verkäufer. Da klingelte das Handy. Hermann ging ran, meldete sich mit falschem Namen. Seine Ehefrau, die nicht wusste, dass er lesbisch ist, war dran und wollte die Scheidung. Darauf hatte Hermann gewartet. Er schrie hysterisch: „Du perverse alte Hure, endlich bin ich dich los!“, buchte einen Flug nach Hawaii und blieb dort bis er starb.

Seine Frau begann Selbstmord.

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Schleudertrauma gratis in der Halbdiagonalen

[Ein literarischer Genickbruch]

Ein schnöder Morgen im April, warme Sonne scheint vom Himmel herab auf uns. Es ist warm wenn kein Wind weht. Der Fahrtwind auf dem Fahrrad lässt jemanden, der sich getäuscht hat, frieren. Er wird davon eine Erkältung bekommen, bloß weiß er dass noch nicht. Aber er hat eine Vorahnung. Es gehört nicht viel dazu, denn es ist wirklich noch kein Hochsommer, nein es ist unvernünftig aber in Ordnung wenn er sich später nicht beklagt. Er fährt einen Scherbenberg rauf, einen Berg, der nur aus kaputten Flaschen besteht. Es knackt unter den Reifen. Übles Knacken provoziert nein, beschwört eine Wut in ihm die er kompensieren muss. Oder einfach vergessen, was geschehen ist. Na ja, wenn der Reifen später platt ist, wird es ihm wieder einfallen. Er wird sich daran erinnern, wie er den scheiß Scherbenberg hochgefahren ist und über diejenigen fluchen, welche immer so aaaaaaaarrrgghhh!Q !!!WH§EEFW Es erwischt immer die Falschen.

Endlich angekommen, hat er vergessen, was er will. Hat sich zu doll aufgeregt und vergessen. Er denkt, dass er nachdenken muss damit ihm wieder einfällt, was er vorhatte. Das leise Zischen von seinem Hinterreifen hört er nicht. Die Autos sind viel zu laut. Er kann machen was er will, mal sehen was das Immunsystem so aushält… Es ist zwanzig nach elf. Alte Menschen frühstücken um sieben oder acht Uhr morgens, essen um zwölf Mittag, um sechzehn Uhr trinken sie Kaffee und beenden diese Fressorgie dann um achtzehn Uhr mit dem Abendbrot. Das ist ein ziemlich geregelter Tagesablauf der nicht durcheinander gebracht werden darf. Sonst passiert etwas. Och ja, da macht es auch nichts, wenn das Eine oder Andere starken Schimmelbefall offenbart. Die Mägen sind noch aus dem Krieg, da wird nichts weggeworfen. Nur Leichen werden gestapelt und angezündet.

Mittlerweile ist er auf dem Fahrrad eingeschlafen, wieder aufgewacht und reibt sich nun gleichwohl verschlafen als auch verwundert die Augen. Während dieses Vorgangs fährt er ein Stück freihändig. Eine Frau, die rückwärts auf dem Fahrradweg geht, spendet Applaus… Es wird sich bedankt. Warum verdammt noch mal dürfen Männer keinen Knicks machen!? Irgendjemand baut sich eine Bombe und sprengt sich in die Luft. Mitten in Deutschland. Um 13.45Uhr. In irgendeiner Stadt. Am nächsten Tag ist das Blut vom Regen weggespült worden, die Schaufenster blitzen wieder und der Brunnen sprudelt vergnügt vor sich hin. Der Weg scheint kein Ende zu nehmen, es brummt im Bauch. Es befindet sich nichts in ihm, außer Gedärmzeug. Er könnte es hinausoperieren und essen. Diese Idee fasziniert ihn. Die Straße ist nun zu Ende, er fährt auf einem der Menschheit unbekanntem Weg. Sie existieren nicht mehr. Sie sind waren. Also vergangen. Sie sind vergangen. Sie waren einmal. Nun sind sie fort, genauso wie die Straße. Wer? Die scheinbar sinnvollen Gedanken. Aber auch nur scheinbar. Sinnvoll. Niemand vermag zu beurteilen ob sie Sinn enthalten haben als sie noch damals waren oder nicht, denn die Definition liegt im Kopfe jedes Objekts, Lebewesen oder sonst wo drin.

Polypen kreuzen den Weg, wobei der Weg gar keiner ist. Also Polypen kreuzen das Nichts. Materie verbindet sich, aus dem Nichts wird ein Raum, welcher sich um eine Gestalt befindet, die auf einem Fahrrad fährt. Nur der Weg ist nicht da, denn die Bedeutung des Wortes „Weg“ ist definiert. Ich wage es nicht, die bestehenden Definitionen des Wortes „Weg“ zu zerschlagen, indem ich dieses undefinierbare Etwas worauf er fährt als „Weg“ bezeichne. Dass würde zumindest alles bisher Existente gehörig durcheinander bringen. Er ist also gezwungen alles komplett neu zu definieren, neue Bezeichnungen zu finden usw. Doch das ist nicht einfach, wenn man bedenkt, dass es ja auf Welt unzählige Bezeichnungen für unzählige Dinge, Vorgänge, Berufe, Speisen, Getränke, Gemütszustände usw. usf. gibt. Also lässt er es bleiben, denn dazu ist er zu faul. Er fährt in ein Haus hinein und schläft. Ende der Geschichte. Applaus und Geschrei.

Eine art Schöpfungsgeschichte

Ein dicker Mann saß im Riesenrad und guckte aus der Gondel raus.
Dann fiel die Gondel ab und der Mann war tot.
Warum nur fiel die verdammte Gondel ab, fragte der dicke Mann, als er Gott gegenüberstand.
Weil du zu dick bist, antwortete ihm dieser.
Daraufhin begann der Mann zu weinen und seine Tränen fielen als Regen auf die Erde hinab.
Er hörte nicht auf zu weinen und so gab es eine Sinnflut.
Alles Leben auf der Erde wurde ausgelöscht. Keine Arche da.
Nur der dicke Mann hoch oben in seiner Gondel überlebte, denn er hatte ja nur geträumt.
Nur die Sinnflut, die war echt.

Sybille die schwule Seifenkistenrennfahrerin

Sybille saß auf der Treppe und trommelte auf einem Mülleimer. Die Nachbarn waren genervt. Der Mülleimer war schon ganz verbeult. Das Volk tobte und die Zeitungen titelten fett gedruckt in bunten und großen Lettern: “Skandal!“, denn so ein Quatsch kostete den Steuerzahler nur unnötig Geld. Pfui! Eine Bürgerinitiative wurde gegründet. Sybille musste weg. Jesus stieg auf einer Aluminium Leiter aus dem Himmel raus um sich einzumischen. Er betrat den Planeten und wurde vom Volksmob gelyncht und kaputt getrampelt. Sybilles Hoffnungen waren damit endgültig zerstört, ihr Leben zerbrach in tausend Teile.

Der Hausmeister fegte alles fein säuberlich zusammen und kippte das, was einmal Sybille gewesen war, vom Kehrblech in den verbeulten Eimer. Es staubte und der Wind wehte dem Hausmeister ein Körnchen Sybille ins Auge. „Du Schlampe!“ fluchte er, ging in seine Wohnung, kratzte sich am Hoden und öffnete ein Bier.

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Die Geschichte vom lustigen Kopfabschneider

[Oder: Wie eine Ehe zerbricht]

Eines schönen Tages, – der Kopfabschneidermann kam gerade vom Kopf abschneiden zurück nach Haus-, sagte seine Frau: „Hallo Hubert!“.

„Nanu?“, wunderte sich der fiese Mörder, „seit wann nennst du mich Hubert?“

„Namen sind Schall und Rauch“, erwiderte das Eheweib.

So etwas musste sich Hubert nicht gefallen lassen.

Mit Tränen in den Augen schrie er: „Ich hasse dich!!!“.

„Dann mach mal ´ne Diät, du fette Sau!“, schrie sie zurück und rodelte davon.

 

[Presse] Worte im Raum: Spiel mit den Gedanken

Worte im Raum: Spiel mit den Gedanken

Ungewöhnliche „Ausstellung“ in der Frühstücksbühne Eckernförde

Spontaneität und absurde Wortspielereien – am Sonntag eröffnete eine neue „Ausstellung“ in der Frühstücksbühne von Marianne Tralau in der Nicolaistraße 7: „Worte im Raum“ von Eckernförder Hannes Domke.
Vom Zuschauerraum blickt man in einen hellen, mit weißen Tüchern ausgelegten Raum, der mit Stühlen bestückt war. Ein junger Mann setzt sich auf einen der Stühle und monologisiert. Seine Gedanken und Worte fließen anscheinend unbewusst und unbeabsichtigt in den Raum und finden immer ein lustiges, groteskes, vielleicht auch wichtiges Ende, das sofort wieder in Frage gestellt wird. Manches erinnerte an Gottfried Benn oder die Theatergruppe „Improphil“, nur mit dem Unterschied, dass diese die Gedanken und Worte bewusst entwickeln, während Hannes Domke sie einfach fließen lässt am Banalen manchmal Absurden vorbei ohne Ziel, das sich dann wie von selbst einstellt.

Das Publikum reagiert, nimmt immer wieder erheitert Anteil. Ein Beispiel: „Alles ist neu. Neue Autos sind hässlich. Man müsste mit einem Hammer draufschlagen. Dann sehen sie besser aus. Alles ist neu. Auch du bist neu. Ich bin alt. Bald liege ich schon in einem sehr engen Raum. Ganz allein. Ich will Raumspray. Sonst riecht man. Vielleicht lasse mich auch in Acryl eingießen. Dann kann niemand an mir rumknabbern. Jetzt schieben sie mich raus. Bei meiner eigenen Beerdigungsfeier schieben sie mich einfach ‚raus. Das werden sie noch bereuen. Einer liest mein Testament vor. Es sind tausend Seiten. Es dauert lange. Ich sehe ihre blöden Gesichter und lache mich kaputt. Dann merken sie: so´n Scheiß. Der hat ja gar nichts zu vererben und alle sind weg. Aber ich bin ja gar nicht tot. Trotzdem – ich würde mir nie ein neues Auto kaufen. Es laufen so viele mit Hämmern rum.“

„Worte im Raum“ kann man eigentlich nicht ausstellen. Aber mit Hannes Domke geht das richtig gut. Die „Worte im Raum“ sind noch am 21., 22. und 23. September jeweils von 15 bis 18 Uhr zu hören.