Hinnerk Köhn: Striche

Das Schlimmste an einem Schwangerschaftstest ist das Warten.

In der Luft steht die Frage, die man eigentlich gar nicht beantwortet haben möchte.
Man klammert sich aneinander und hofft. Hofft, dass es nicht so ist wie man erwartet. Hofft auf die 0,01%, die sagen, dass der Test fehlbar ist. Hofft, dass man zu dieser unglaublich geringen Wahrscheinlichkeit gehört.

Doch eigentlich weiß man schon, was das Ergebnis sein wird.

So sitzen wir nun beide da und schauen auf das Stäbchen und ich habe Angst.
Angst vor einem Stäbchen, dass bis zu 2 Striche zeigen kann. Angst vor einem Strich zu viel. Angst vor etwas, was andere freut.

Du weinst. Du denkst ich merk es nicht, aber ich weiß es. Ich spüre wie mein T-Shirt nass wird und du leise wimmerst. Und ich verstehe, wieso du im Fernsehen bei Pampers Werbung weggeschaltet hast und warum du nicht wie früher bei Kinderwagen angehalten bist, nur um zu gucken.

Und wieso du mich so angeguckt hast. So unsicher. So unschuldig. So voller Fragen.
Fragen, die ich nicht beantworten konnte.
Du sagst, du liebst mich. Du sagst, du willst es nicht. Ich glaube dir.
Ich stehe auf, wanke auf meinen wackeligen Beinen zum Schreibtisch und muss kurz lächeln. Ein Strich. Zuviel.

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