Christiane Feuerstack

Christiane Feuerstack (foto: fognin)

Christiane Feuerstack (foto: fognin)

Biografische Notiz:
Christiane Feuerstack (1960), Eurythmistin, Heileurythmistin, Seminarleiterin und freie Autorin. Langjährige Erfahrung in spiritueller Schulung und Forschung, sowie in der Begleitung Rat suchender Menschen auf dem Weg individueller karmischer Selbsterkenntnis

 

 

Veröffentlichungen

 „Graf Saint Germain im Spiegel der Widersprüche“ (2004)

„Graf Saint Germain im Spiegel der Widersprüche“ (2004)

goldmarie

Das Geheimnis der Goldmarie. Arbeit, Geld und Karma – ein Werkstattgespräch“ (Hg. 2008)

3-924964-24-6_m Samenkörner

9783944408088 NEU: Kleingarten Kompost Karma (2013)

alle im MenschMedien Verlag Eckernförde.

Anlage zum Hartz IV Fragebogen eine wahrhaftes Schreiben an die Bundesagentur „für“ Arbeit

Sehr geehrte Damen und Herren!

Noch ist er nicht da, der berühmt-berüchtigte Hartz IV – Fragebogen, den wir alle schon sehnlichst erwarten. Wir haben schon viel davon gehört und brennen geradezu darauf, ihn endlich ausfüllen zu dürfen. Da wir aber ohnehin die berechtigte Sorge haben, dass 16 Seiten für die Offenlegung unserer Vermögensverhältnisse keineswegs ausreichen, haben wir uns entschlossen, sozusagen in vorauseilendem Gehorsam schon heute mit entsprechenden Enthüllungen zu beginnen. Wir haben nichts zu verheimlichen!
Aus Datenschutzgründen nenne ich im Folgenden meine Kinder Max (17) und Moritz (16), denn für Jugendliche ist die Offenbahrung ihrer Vermögensverhältnisse besonders peinlich. Sie bekommen drei Euro Taschengeld pro Woche. Bitte erzählen Sie das auf keinen Fall weiter, um Spott und Ausgrenzung seitens anderer Jugendlicher zu vermeiden.
Meinen Mann nenne ich – ebenfalls aus Datenschutzgründen – Hempel. Bei ihm sieht es meistens so aus, wie bei anderen Leuten unter dem Sofa. Hempel ist aber in diesem Fall sein Vorname. Mit Nachnamen heißt er Wassermann, so wie ich. Da Hempel Wassermann ein „Messie“ ist, sind seine Vermögensverhältnisse besonders schwer zu durchschauen. Es könnte sogar sein, dass sich noch geringfügige Reste von D-Mark-Beständen in einem der Berge von Unordnung befinden.
Auch Moritz förderte neulich beim Aufräumen noch eine gute alte Mark zutage. Man kann also nie genau wissen…
In meiner Geldbörse befinden sich zum jetzigen Zeitpunkt genau 87 Euro (in Worten siebenundachtzig) und 32 Cent. Hempel verfügt sogar über 102 Euro (in Worten hundertzwei) und 7 Cent. Max und Moritz weigern sich, ihrer Mutter genaue Auskünfte zu geben. Ich bitte Sie also um Verständnis, dass ich wegen solcher Lappalien nicht den Familienfrieden aufs Spiel setzen möchte. Da der Inhalt unserer Geldbörsen sich nicht nur täglich, sondern manchmal sogar stündlich ändert, können wir leider keine Garantie dafür übernehmen, dass sich zum Zeitpunkt Ihrer Überprüfungen unserer Angaben noch genau derselbe Betrag darin befindet.
Ihre Frage nach Sparbüchern soll wohl ein Witz sein! Was soll ein Langzeitarbeitsloser sparen? Das Einzige, was wir uns sparen können, ist ein Kommentar dazu.
Lediglich Max und Moritz besitzen noch Sparbücher aus der Zeit ihrer Kindheit, als sie mühselig ihre Sparschweine mit Mark und Pfennig fütterten, um sie am Weltspartag voller Stolz zur Bank zu bringen.
Omas, Opas und Paten taten das Übrige dazu, um für spätere Klassenfahrten, Führerscheinstunden oder sonstige wichtige Zwecke eine kleine Reserve zu haben.
Ich würde Ihnen nicht raten, sich mit Max und Moritz bezüglich ihrer Spargroschen anzulegen. Das könnte Aggressionen auslösen!
Bargeld in der Wohnung befindet sich dagegen an vielen Stellen, die wir genau auflisten möchten:
Wir haben unsere Notgroschen so sorgfältig versteckt, dass jedem Nachforschenden eine vergnügliche Schnitzeljagd bevorsteht. Deshalb mögen an dieser Stelle einige wenige Hinweise genügen, alle weiteren Spuren werden sich bei entsprechend intensiver Suche entdecken lassen.
Bitte räumen Sie anschließend wieder auf!
Und vor allem vermeiden Sie bitte, wenn Sie das Zimmer von Max betreten, an den Spinnenweben hängen zu bleiben. Er schätzt das nicht besonders, wenn man seine „Deko“ abreißt.
Am liebsten sammeln wir Ein- und Zwei-Eurostücke. Sie sind vor Überschwemmungen, Feuer, Schimmel usw. am ehesten sicher. Manchmal kleben wir aber Fünf- oder Zehn-Euro-Scheine hinter unsere Bilder an den Wänden oder schieben sie einfach wie Lesezeichen in Bücher.
Die genauen Buchtitel kann ich Ihnen jetzt leider nicht auswendig nennen, da müsste ich selber erst lange suchen. Am besten blättern Sie alle Bücher mal kurz durch, blasen dabei den Staub runter und stellen sie dann bitte wieder ordentlich ins Regal.
Münzgeld finden Sie unter anderem in Schubladen, unter Teppichen, in Ritzen zwischen Fußleiste und Fußboden, hinter Schränken, unter Matratzen und eingenäht in Vorhangssäume. Das spart das Bleiband und ist ein besonders raffiniertes Versteck.
Das Zusammenkratzen dieser Notgroschen könnte sich lohnen. Es würde mit Sicherheit ein beachtliches Vermögen zusammenkommen, das den Lebensunterhalt unserer Familie mindestens ein bis zwei Wochen sicherstellen würde – wenn man einmal von Miete und Heizkosten absieht.
Schmuck und Wertgegenstände sind bei uns auch zu finden: Meine Edelsteinketten habe ich gut sichtbar an die Wand gehängt. Warum sollten sie in einer Schatulle sein? Es sieht viel schöner aus, wenn sie da hängen! Viel wert sind sie wohl kaum, und wie soll man einen Käufer für so was finden? Ich würde mich auch sehr ungern davon trennen, da das, was sie für mich wertvoll macht, persönliche Erinnerungen sind. Max und Moritz haben von ihrer Großmutter zur Konfirmation je ein Goldstück bekommen, das sie selber von ihrer Großtante in Wien geerbt hat. Ein kleines Goldstück, vielleicht 20 Euro wert. Auch da dürfte der ideelle Wert höher sein!
So, jetzt wissen Sie alles!
Kommen wir also zum nächsten Kapitel, unsere Wohnverhältnisse:

Wir bewohnen einen im Zentrum unserer entzückenden Stadt gelegenen Altbau. Dieser Wohnort ermöglicht uns die Einsparung eines eigenen Kraftfahrzeugs, da wir von hier aus alle wichtigen Plätze zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen können. Auch Buskosten fallen selten an, da die Schule von Max und Moritz ebenfalls zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist.
Für meine beruflich notwendigen Fahrten – (wie Sie aus Ihren Unterlagen ersehen können, bin ich nebenbei freiberuflich tätig) – habe ich ein „car-sharing“ mit einer freundlichen Nachbarin vereinbart.
Eine Verlagerung des Wohnorts würde zwangsläufig mit der notwendigen Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs verbunden sein – was wir uns leider nicht leisten können.
Laut Mietvertrag stehen uns 135m² zur Verfügung. Zu viel für eine vierköpfige Familie, werden Sie vielleicht denken!?
Dazu ist folgendes zu bemerken:
Zum ersten beschränkt sich der eigentliche Wohnraum auf ca. 100m², der Rest ist Arbeitsraum für meine freiberufliche Arbeit.
Ich erwirtschafte durch diese Arbeit nicht nur die Miet- und Heizkosten für diese Räumlichkeit (wie aus den meinem Antrag beigefügten Unterlagen zu entnehmen ist), sondern darüber hinaus einen Teil unseres bisherigen Lebensunterhaltes. Die Aufträge kommen allerdings so unregelmäßig und insgesamt zu noch spärlich, um davon eine vierköpfige Familie ernähren zu können.
Wir sind seit Jahren auf der Suche nach bezahlbaren Praxisräumen und zwei kleineren Wohnungen, da mir Hempels Unordnung den letzten Nerv raubt und wir außerdem alle vier so unausstehliche Individualisten sind, dass die Gefahr des gegenseitigen Totschlags besteht, wenn wir auf engem Raum zusammenhocken.
Da Max demnächst 18 wird, möchte er natürlich auch gerne eine eigene Wohnung beziehen. Sein Zimmer hat nicht mal einen separaten Zugang, er muss immer durch das Zimmer seines Bruders laufen, um zu seiner Mini-Klause zu gelangen:
Moritz ist völlig genervt, weil nicht nur Max ständig durch sein Zimmer läuft, sondern auch dessen zahlreiche Freunde. Er hat die Ecke seines Zimmers, in der sein Bett steht, durch einen Vorhang von dieser Durchgangsschneise abgetrennt, aber die optimale Lösung ist das auch noch nicht. Durch die Durchgangsschneise musste zwangsläufig wieder Wohnraum für einen Flur geopfert werden. Ferner halten wir es für fraglich, ob wir tatsächlich 135m² zur Verfügung haben könnten – dazu müssten wir (oder Sie) die Dachschrägen ausmessen.
Wir halten das lediglich aus, weil wir diese bisherigen Wohnverhältnisse immer noch kostengünstiger fanden als das Anmieten von zwei oder drei kleineren Wohnungen, und seien sie auch noch so winzig!
Aber vielleicht haben Sie ja die passende Idee?! Das würde uns sehr freuen!
Den Namen unseres Vermieters zu nennen, würden wir als taktlos und ungehörig empfinden, nicht nur aus Datenschutzgründen.
Da kommen uns Assoziationen zu Methoden des Dritten Reichs. Wir wollen niemanden denunzieren. Ob die Frage nach der Bankverbindung des Vermieters überhaupt legal ist, wagen wir zu bezweifeln.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich um einen Altbau. Durch Dachziegel und Mauerritzen strömt im Winter kalte Zugluft herein. Was Wärme betrifft, sind wir überhaupt nicht sehr verwöhnt, im Gegenteil: um Heizkosten zu sparen, haben wir uns richtig gut abgehärtet.
Trotzdem erschien es uns bisher sinnvoll, wenigstens die unterste Grenze üblicher Raumtemperaturen anzupeilen, da unsere ständigen Erkältungen seit der Gesundheitsreform mit höheren Kosten zu Buche schlagen als entsprechende Heizkosten.
Hieran sparen zu wollen, wäre zu kurzsichtig gedacht.
Im Keller platzt der Putz von den Wänden und der Modergeruch reicht teilweise bis in die oberen Räume herein. Dicht an den Wänden gelagerte Gegenstände sind uns sogar schon verschimmelt! Eine gründliche Sanierung und Isolierung würde die Heizkosten mit Sicherheit vermindern.
Aber wer würde die damit verbundenen Kosten auf sich nehmen, ohne zugleich die Miete kräftig zu erhöhen?
Ein Besuch bei uns wird Sie sofort davon überzeugen, dass unser Haus völlig aus den Nähten platzt. Überall türmen sich Kartons. Es sieht fast wie kurz vor oder nach einem Umzug aus!
Der Grund dafür ist, dass Hempel vor kurzem völlig überraschend einen kleinen lokalen Verlag übernommen hat. Da kam einfach ein günstiges Angebot aus heiterem Himmel, das man nicht so einfach ausschlagen konnte, zumal es ja immerhin eine kleine Chance gibt, dass dieses Unternehmen irgendwann einmal in der Zukunft genügend Gewinn abwirft, um unser Überleben zu sichern! Davon träumen wir jedenfalls. Manchmal hat man ja auch Glück!
Joanne Rowling zum Beispiel hat es dank Harry Potters Zauberkünsten geschafft, von der Sozialhilfeempfängerin zur Millionärin zu werden.
Sie ist unser großes Vorbild! Man muss nur die richtige Idee für ein Buch haben, das den Nerv der Zeit trifft.
Vielleicht dämmert es Ihnen allmählich, dass Sie gerade den Anfang dieses erfolgversprechenden Buches lesen. Es hängt nun viel von Ihrer weiteren Mitwirkung ab, ob unsere Idee so erfolgreich wird, wie wir hoffen. Bitte unterstützen Sie uns dabei! Kommen Sie bald! Überprüfen Sie gründlich unsere Angaben! Überzeugen Sie sich davon, dass diese kleine Fehler enthalten und gehen Sie eventuellen Ungenauigkeiten mit detektivischem Spürsinn nach!
Wir versprechen Ihnen, dass jeder Ihrer Schritte und jedes Ihrer Worte penibel dokumentiert wird.
Wie Sie Ihren Unterlagen entnehmen können, ist Hempel seit geraumer Zeit freier Mitarbeiter einer lokalen Tageszeitung. Durch gelegentliche Aufträge erzielt er zwar nur so geringe Einkünfte, dass sie kaum kostendeckend sind, aber er verfügt immerhin über die professionelle Ausstattung eines Pressemitarbeiters. Ein gigantischer Vorteil!
Wir haben durchaus nicht vor, uns nur auf unsere eigenen Erlebnisberichte zu beschränken. Nein, wir sammeln auch andere!
Hempels Sammel-Leidenschaft, die mir bisher immer unverständlich war, hat nun auch mich angesteckt.

Es wird bestimmt ein hübsches Sammelsurium von Betroffenen-Berichten zustande kommen. Das ist wenigstens kreativer, als eine Revolution anzuzetteln, finden Sie nicht? Fünf Millionen Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, das könnte glatt den Untergang der Republik zur Folge haben, oder?
Wir fragen uns manchmal, ob die verantwortlichen Politiker überhaupt noch in Ruhe schlafen können. Schließlich haben sie noch was zu verlieren! Wir nicht!
Meine persönliche Meinung ist allerdings, dass Wut und Empörung über Ungerechtigkeiten nicht weiter führen.
Als Frau bevorzuge ich sanftere Ausdrucksformen. Es gibt sie auch schon, die freundliche Antwort auf Hartz IV:

Das „Herz-vier-Unternehmen“, abgekürzt

4 U (heart for you), symbolisiert durch die Spielkarte

4U wurde soeben geboren und sucht Paten, Sponsoren und Unterstützer. Willkommen in diesem Netzwerk von Herzlichkeit, gegenseitiger Hilfe und freundschaftlicher Solidarität sind nicht nur die Verlierer in einer Welt sozialer Kälte und staatlicher Reglementierungen, sondern alle anständigen Menschen mit Herz!

4U ist kein Verein, aber trotzdem gemeinnützig.
Wir haben alle kein Geld, aber trotzdem gründen wir eine Bank. Nämlich eine Kontakt- und Ideen-Bank. Jeder, der gute Ideen hat, darf einzahlen; jeder der solche braucht, darf sich bedienen.
Es wäre fein, wenn Sie

4U unterstützen könnten, indem Sie allen Arbeitslosen davon erzählen.
Sie als Arbeitsamtsmitarbeiter können doch auch nichts dafür, dass Sie diese blödsinnigen Vorschriften der Politiker umsetzen müssen!
Sie wissen doch genauso gut wie wir, dass es dadurch keinen einzigen neuen Job gibt!
Klar, dass Sie wenigstens Ihren Job behalten wollen und das alles brav mitmachen! Würde wahrscheinlich jeder tun, der keine Alternative hat. Aber vielleicht gehören Sie ja trotzdem zu den selten gewordenen Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben? Und die gerne mal ein paar tröstliche Worte über die Lippen bringen möchten. Sie sind doch täglich mit dem Elend der Perspektivlosigkeit konfrontiert!
Wer da nicht völlig abstumpft, muss doch eigentlich um jeden kleinen Lichtblick froh sein.

4U ist so ein Lichtblick. Es will uns daran erinnern, das Herzlichkeit und Wärme auch ein Kapital sind, das Kapital der Armen, auf das die Reichen eines Tages neidisch sein dürften…
Aber zurück zu unserem Antrag:

Wir gehen davon aus, dass unsere ausführlichen Angaben Sie mehr als zufrieden stellen werden. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte Ihren bisherigen Unterlagen. Übertragen Sie alles fein säuberlich in den vorgesehenen Fragebogen. Das erspart Ihnen und uns viele weitere Arbeit. Mit Freuden erwarten wir Ihren Bewilligungsbescheid. Und gegebenenfalls Ihren Kontrollbesuch. Eine Tasse Kaffee ist in diesem Fall garantiert. Vielleicht auch zwei, je nachdem…

Hartzlich grüßend,

Ute Wassermann