Ewald Huß

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Ewald Huß

ewald_lebenspfad1001 Schon mit neun Jahren fing Ewald Huß an, auf alten Schiffen zu segeln. Auf sehr alten Schiffen, denn direkt nach dem Krieg waren alle brauchbaren Boote beschlagnahmt. Mit einem notdürftig reparierten Kahn ging es dann gleich hinaus auf See. Eine gute Gelegenheit für den Dithmarscher, endlich schwimmen zu lernen.

Beim Lernen ist es dann auch geblieben. Da der 15jährige als zu „spittelig“ für den Beruf des Seefahrers angesehen wurde, sagte sein Vater: „Junge du warst Smitt!“. Ja, „to lütt“ für Seemann, aber gross genug für das Schmiedehandwerk.

Ewald Huß ging dann zur Marine. Dort konnte er Yachten fahren und beschäftigte sich mit Schiffsmotoren, machte den Maschinenbautechniker und wurde Bootsmann und Segelausbilder, bevor er zum Heer wechselte. Er wollte Berufssoldat werden, aber ein Sportunfall stoppte diese Karriere und er entdeckte seine kaufmännische Ader. Vorher erlernte er, noch bei der Bundeswehr, den Beruf des medizinischen Bademeisters und Masseurs. Fast wie nebenbei  kam noch die Ausbildung zum Fußpfleger und Kosmetiker hinzu.

Als Investmentberater wandelte er dann auf den Spuren von Berny Cornfeld. Sehr lange lief die Anlagepraxis nicht, die Banken mauerten und fürchteten die Konkurrenz. In der alten Heimat Dithmarschen wurde ihm ein Jobb als Versichungskaufmann angeboten und er nutze erst einmal die Möglichkeit, seinen neuen Kollegen Vermögensanlagen zu verkaufen. Dann eroberte er die Inseln und versicherte die Kühe der Bauern. Auf plattdeutsch natürlich.

dsc_0226_1 Über den kleinen Umweg einer eigenen Generalagentur ergriff ihn der Beruf des Häusermaklers. Dieser nunmehr dreizehnte Beruf machte die Agentur überflüssig. Dann kam die Wende. Nicht die politische oder die deutsche, sondern die Hußsche. Ewald schmiss alles hin, verkaufte Hab und Gut und wurde Betreuer von Behinderten. Die Lebensgemeinschaft, mit der er zusammenarbeitete, besaß einen kleinen Kutter, auf dem man mit den Behinderten auf See fahren konnte. Der Kutter hieß „Ruth“, hatte siebzig Jahre auf seinem hölzernen Buckel und war etwas heruntergekommen. Bald entschied man, ein älteres Boot, die „Platessa von Esbjerg“ für therapeutische Zwecke zu erwerben. Auch mit diesem Schiff wurden weiterhin Fahrten mit Behindertengruppen gemacht, aber auch Schulklassen – vorzugsweise von Waldorfschulen – bekamen die Chance, Segeln als soziales Abenteuer zu erleben. Huß wurde, endlich, Kapitän – oder wie man korrekter sagt: Skipper der Platessa.

Inzwischen ist er schon viele lange Jahre in diesem Beruf unterwegs. Während im Sommer Schulklassen, Behinderte und Nichtbehinderte seine Bootsgäste sind und viele auch als
Erwachsene immer wieder mit ihm und seinen Schiff in die dänische Südsee fahren, hat er im Winter mehr Zeit für Kultur. Dann schreibt er seine plattdeutschen
Geschichten und tummelt sich in der Szene der „Künstler & Kaoten“. In Eckernförde ist Ewald bekannt wie ein bunter Huß und natürlich kennt auch er fast jeden in diesem Ort.

„Die Stadt ist überschaubar und ich mag sie einfach.“ So beschreibt er sein Verhältnis zu ihr lakonisch und liebevoll zugleich. Das scheint umgekehrt auch so zu sein. Oder warten alle einfach nur gespannt darauf, welchen Beruf Ewald Huß demnächst ergreifen wird?

Es gibt von diesem Text auch noch eine längere Version. Aber diese sollte reichen.

Ewald Huß

de Gornzwerg Kuddel-Muddel

Kuddel-Muddel liggt an een warmen Sommerobend bi sick to Huus in den Appelgorn op den Rüüch in’t Gras un kickt in den Heeben.

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De Mond schient und de Wulken trecken an em vörbi.

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Een feinet Wesselspeel. He kickt den Mond stief in’t Gesicht, un op eenmol hett he dat Geföhl, de Mond kickt em an. So geiht dat hin und her. In Gedanken treckt he mit de Wulken wieder in Richtung See. Jo, to See fohren, dat is mien Sinn.

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In de Nacht von den 2. op den 3. November 1970 schnappt he sick heemli een Fohrrad un
strampelt in Richtung Hamborg.

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Kuddel-Muddel is een beeten tumpig un kümmt mit den Verkehr in de Grootstadt nich so goot torecht. Dor gifft dat jo ok soveel – veel to veel – to sehn. De Kopp geiht no rechts un geiht no links. Allns will he mitkreegen. Dorbi versüht he de Trepp no de Landungsbrüchen rünner un rattert dor mit sien Fohrrad hoppla hopp rünner un knallt gegen een Laternpool.

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He umklammert den wie en Oop de Palm. Dann krappelt he vun den Pool rünner, sorteert sien Knooken, Sinn un sien Fohrrad. De Acht ut sien Vörrad mit arbeit he mit de Fööt un Han’n ruut un humpelt nun mit sien Blessuren över de Landungsbrüchen wieder to de Hüüerstell. He steiht, de Schippermütz in’t Genick schoben un de Han’n deep in de Daschen, vör den Hüürbaas un seggt: „Ick will to See fohrn!“

„Mien leeve Jung, dat is wie een Sprung int Wooter,“ seggt de Hüürbaas, „obers wenn dat ween schall, denn kannst du morrn mit een Bononendamper to See fohrn. Hier hest du dien Seemannsbook un fohr man glieks mit de Hoobenbarkass no den Logerschuppen 98; dor liggt de Damper ‚Heinmück’. Geihst an Bord un melds di bi den Kaptein Meyer.“

De eerste Seefohrt gung los. Op de Elf weer noch allns propper, un he kunn nachts ok an de Reeling stohn un so vör sick hindösen.

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Oh, dor is een Sternschnupp, un dor noch een. Gau watt wünschen un vör di beholln.
Ruut gung dat mit den Damper op de Nordsee, dörg den Äärmelkonol un op den Atlantik mit Südkurs wieder. Dat Wedder weer ruuger worrn, un de Atlantikdünung nehm bannig to. Kuddel-Muddel sien Mogen gung ok mit aff un dool. Wenn de Damper in so een grootet Wellentol rünnerrutschen de, hall he keen Deck mehr ünner de Fööt. He mut sick mit de beiden Hann an de Reeling fastholln. Öbel, öbel. He schweft mit de Fööt övert Deck un mut fürchterli kotzen; oder weer he een kotzender Kuddel-Muddel ant Schweben? Dat is jo schlimmer as de Märschenstunn mit de Geschicht ‚Wer hett dat Sschneewittchen umbröcht’. De Kopp hett em brummt, as wenn sick dor een ganzen Bienenschwarm innest hett.

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Allns geiht eenmool vörbi. No Wind un Regen kümmt Sünnschien, un de Welt is ok för Kuddel-Muddel wedder in Ordnung. De Damper mookt in een grooten sponischen Seehoben een Twüschenstopp.

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Kuddel-Muddel mookt mit feinet Schapptüüch an sien eersten Landgang in een uutlännischen Hoben. De Kurs is direkt in een Hobenspelunke. De Dör op un rinn. De Luft is ton dörgschnieden so dick verqualmt. Dat rüükt dorbin no Schweet, Parföng, schoolet Beer un Uriensteen, dorto luude rhythmische südl.nnische Musik un een Barg Matrosen, Hobenarbeiters un Deerns. De Deerns mit stramme Röck un lange Beens mit Dörgblick und wülstige Rüschenblusen mit een gooden un freen In- un Uutblick. Kuddel-Muddel sett sick an de Teek un bestellt sick eerstmool een deftigen sponischen Coktail un haut em achter de Kiemen. Schmeckt bannig goot, noch een, noch een un noch een.
De Deerns, de Flittchen, keemen em vertruli neeger un uutgereken mit so een verdüübelte Hex mit een Indianerbemolung hett he sick inlooten. Een Harpyie vun Wief drängelt de Hex an de Sied un mookt den Kuddel-Muddel so richdi an, datt em ganz schwummerig dorbi warrd. Hier noch een Drink un dor noch een Drink. Vun een ton annern Schluck süht Kuddel-Muddel de Welt jümmers rosiger. Över de Danzfläch kümmt een dralle, dicke Sponierin mit rosige Backen op em to; de hett jetzt den Vörrang.

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De Trubel in de Spelunk nümmt jümmers wieder to un Kuddel-Muddel denkt, wi koom ick hier ut düssen Billerrohmen bloss wedder ruut. De annern beiden Wieber, de Hex un de Harpjie, wüllt sick vun den Schinken – den Kuddel-Muddel – nich affdrängeln looten un rangelt sick energisch twüschen de Dicke un em un lammanteert fünsch miteenanner herum. Rums, bums is de beste Krawall vun den Tuun reeten.

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Se kreegt sick in de Plünn un de hochtupeerten Hoor. Eh Kuddel-Muddel sick versüht, sünd se sick in de Spelunk all miteenanner an rapsen. Kuddel-Muddel mischt sick mit sien Duners ok noch dortwüschen. De Dischen, Stöhl, Bloomenvoosen, Glös un Aschenbeekers fleegt dörg de Gegend.

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Een Disch marschiert sogor dörg de Dör no buuten un een poor Matrosen överwech achteran. Kuddel-Muddel harr eenfach toveel Coktails drunken un kunn sick bi de Prügelee eenfach nich mehr op de Beens holln. He hett een Bruchlandung op den Footborn mookt, mit all de Scherben, den Schiet un den Ooskrom.

De Trubel gung wieder över em hinwech. Half in Dilierium hett he gornichts mehr mitkreegen, obers ton Överleeben harr he toveel Glas, Trampelee, Schiet un Dreck affkreegen. Een Sponierin mit Hart wie een Rötkäppchen hett em an de frische Luft trocken.

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De Orion stunn hoch an den Heeben. Kuddel-Muddel hett sien Bononendamper un sien Heimat nienich wedder sehn.

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