Ingeborg Fennema

ifennema_ingeborg Autorin: Ingeborg Fennema, geb. 1948 in Wiemeringhausen, Kreis Brilon, ist Diplom-Oecotrophologin und lebt und arbeitet als Systemaufstellerin in Eckernförde bei Kiel. Sie schreibt seit ihrem zwölften Lebensjahr Gedichte und Lieder, die in Form von Mantren gesungen werden.. Ihre Gedichte versteht sie als Ausdruck des Wachstums und der Entwicklung der Persönlichkeit, als Beschreibung des Seins und Sprache der Gefühle. „ Für mich ist Lyrik eine Form des künstlerischen Ausdrucks als geschriebene Bilder und Gesänge, die einen Pfad zur Seele bahnen.“ Ihre  Inspiration erfährt sie durch tiefe Zen- Meditation und schamanische Ritualarbeit

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Das Lied


Bist du das Lied
aus dieser Nacht,
mit einem Lachen
Ton um Ton erwacht?
von dir zu mir
im Klang
verbundner Einigkeit.

Im zarten Moll
verschlungne Leiber beben,
um sich im hellen Licht
empor zu heben.
Im Wissen
jener Liebesmacht
die alle Kreativität erschafft.

Ihr Töne steiget
auf und nieder,
erwärmt die Herzen
und erstarrten Glieder
im Ozean des Lebens,
weit und leer.

.

Lied: Das Mondschiff

Refrain: Schau wo dieses Mondschiff steht.
Schau wie diese Wolke geht.
Du bist A und O.

Hören wie dein Herze schlägt.
Spüren wie dein Atem geht.
Hören was dein Mund mir spricht.
Sehen in dein Angesicht.

Lauschen in dein Seelentief,
in die Zeit, da du mich riefst.
Spüren wie der Raum sich dehnt,
wie sich Herz zum Herzen sehnt.

Still sein, in den Armen ruhn.
Alles lassen, nichts mehr tun.
Schwingen in der Abendglut,
Kräfte sammeln, neuen Mut.

Fäden spinnen für ein Band,
das dir eine Liebste fand.
Die dich ganz und gar versteht
und den Weg zum Ende geht.

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Gleichmut der Bäume

Wir sind zwei Äste am gleichen Baum
Und tragen verschiedene Blätter.
Wir träumen mitunter den gleichen Traum
Wir tragen die Früchte und sehen es kaum
Bei jedem erdenklichen Wetter.

Es graben die Wurzeln der Liebe sich tief
In der Erde unendliches Leben.
Und unser Erkennen berührt uns tief,
wie alles uns führt als die Seele dich rief
in Freude und Lust sich zu geben.

Wir werfen die Schatten wenn Sonne uns sticht
Und beugen dem Sturm unsre Äste.
Wir halten die Erde am kahlen Gestein,
und ächzen und stöhnen als müsst es so sein,
und tragen in uns stets das Beste.

.

Jene

Wo gingen jene hin,
die niemals wiederkamen.

Und deren bleiche Knochen
durch schwarze Erde krochen.

Und ihre reinen Seelen
mit den Krähen
durch die Lüfte eilten.

Zu schreien,
immer nur zu schreien
im schrillen
nie vergessenem Entsetzen.

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Lied vom Wechsel

Hände handeln, Leere erscheint.
Reden trennt, und Schweigen vereint.
Hände handeln, Leere erscheint.
Reden trennt, und Stille vereint.

Eilig, eilig fließet die Zeit.
Steht sie still, ist Ewigkeit.
Eilig, eilig fließet die Zeit.
Steht sie still bist du befreit.

.

Schwanengesang

Trau dem Ungeborenen in dir,
das ES sich zeigt,
dass deine Existenz
mit jener Meinigen vereint.

Wenn es dich dürstet am Verlangen
dich endlich satt zu trinken,
so kannst nur du den Durst dir löschen,
indem du diesen Kelch ergreifst
und daraus trinkst, den Trank
des Neugeborenseins,
die Urnatur, die in dir dieser Quell:

Heraus gesprudelte Lebendigkeit.

Sie ist, was aus dem Äther
zu dir schwingt:

Wie leise Herzenslieder,
die die Liebste für dich singt,
wie zarter Halt
auf deiner müden Schulter Rund,
wie liebevoller Kuss
auf deiner Lippen Mund,
wie sanfter Atemhauch,
der deinen Schwanenhals gestreift,
und goldnes Korn,
in deiner Kunst gereift.

.

Lied: Walpurgis

Ist der Schnee der heute fiel
ein Lied von dir, vom Gestern
Ist die Angst die uns befiel
der Stürme eisige Schwestern.
Flutet noch kein Sonnenlicht,
keine Hand die Mauern zerbricht,
um zu sich ganz zu gelangen.

Ist der Wahnsinn der uns trieb
der Ohnmacht blutige Peitsche.
Ist die Kerbe die sie hieb
des Zweifels listige Beute.
Sperr die Zweifel in den Sack,
wirf ins Feuer dies Lumpenpack.
Tanze dazu einen Reigen.

Ist das Leben wie ein Traum,
ein Film, gespielt vom Denken.
Ist der Schlaf der Lebensbaum,
an den wir uns verschenken.
Streift die Seele durch die Zeit,
ruhet in der Ewigkeit,
um im Sein zu verbleiben

.

Zorn

Die Möwen tragen Trauerflor,
die Raben Myrthenkränze.
Und aus den Verliesen
befreit sich der Zorn
wo Zelle um Zelle verendet.
Wo Misstrauen schwelte
als blutender Dorn,
bis das Herz voller Licht
ein geöffnetes Tor.
Der Mund zum Kusse bereit
dem Leben zugewendet.

Ach, wie sich der Nebel
vom Traume schied
und bitterer Schaum
die Klarheit rief,
als er süß die Zunge benetzte.

Dann gleitet der Blick
übers weite Noor
und spiegelt des Nachts
Mond und Sternentor
Und das Feuer verbrennet
alle vergangenen Reste.

Da hört das Wesen,
das jetzt Ich Bin,
der Amsel Gesang
mit der eigenen Stimme.

Die Füße sind mooriger Erdensaum,
gehalten vom mächtigen Lebensbaum,
gegrabener Wurzeln im Felsengestein,
geschüttelt vom Sturm und Wetter.