Darvas: FÜNF ODEN

…rollt donnerkräftig dir…

…rollt donnerkräftig dir
vom düstern Horizont entgegen
daraus nur streifenkeimhaft
aber breit umher noch
Licht entweicht
und drüber wölbt sich bläulich-grau
in weitem Bogendach Gewitter…
…rollt donnerkräftig dir es
rollt heran es holt
dich ein am Waldessaum
wo du versonnen seinem Grau
nicht weichst – sogar
des Lichteskeims Verblassen noch
als Elpis ́Hoffnungswelle dich erreicht…

…rollt donnerkräftig dir vom
Urbeginn zur Weltenzukunft…

In Fernen jagten tolle Träume…

In Fernen jagten tolle Träume über Seen, als ob in heil’gem Norden weite Fichtenmeere von Mitternacht und Sonnenstürmen Trost erhielten;
Ein Wehen und ein Singen vor verschlossnen Schreinen, grau und grimmige Reliquienkästen abergestriger Gelübde;
Tobend in der Stille standen Schatten auf und gingen nieder wie zu Staub zerspellt, zerstiebend;
So tobte abends hin und her die tolle Sorge wirrend nach den Schätzen ungezählter Zeiten,
und war nur Fluch und Schein und falscher Ziele Ausgeburt und Hindernis am Wachsen;
In Fernen jagten tolle Träume über Seen und riesig jagten Siegesstürme sie zum Meer im Norden;
Wie goldnes Fliessen schwamm es dann im Sog der Sonnenscheibe tief am Horizont und zog die Träume himmeleinwärts…

Die nahe Wärme Ungeborgenheit umhüllte mählich unsre Leiber zwischen Meer und See;
Wir gingen wo allein der Schritt die Schritte hütet, wo „heimwärts“ grenzenlos im Schoß der Dinge ruht.

Seen, tiefblaue Seen in den Senken der Herzen…

Seen, tiefblaue Seen in den Senken der Herzen schimmerten auf aus den traurigen Schatten
von einst, so wie Nebel sich heben auf Wäldern und Hängen und Fels;
Eine Weile nur trennte uns hauchdünn vom Sehen der Bläue; das Sehnen allein aber ließ es
uns schimmernd erahnen, doch nimmer ergründen;
Unendliche Weile im Schleier der Sehnsucht, vor tiefblauen Seen, vor unendlichen Senken der Herzen:

Wir stehen, und hauchdünne Schleier ziehen empor, unser Sehen wird klarer und weiter und reich, aber einfacher auch in den Senken der Herzen,
den tiefblauen Seen der
Menschheit;

Weite Gewänder, von manchem Versagen gefleckt, waschen wir weiß in den inneren Seen der Menschheit.

Berggewaltig dröhnt der Kaukasus…

Berggewaltig dröhnt der Kaukasus aus Tiefen, die sich trommelnd dumpf auf
Urgesteingewalten abwärts türmen, als riefen tief im Unterton des Seins die
Riesenmassen Altsein, alt und unerfahrbar;

O wuchtend drückendes Benommensein der Welt im Untergrund der harrenden Gestalten
großer Berge, deren Taten abgeklungen Vorzeitwunder kauernd offenbaren;
Berggewaltig dröhnt Gewesenes im Ohr der Nacht wie Vaterwalten uralt ferner Schöpfertaten,
die sich donnernd heben aus den Senkungen des Seins, aus Vorzeituntergründen.

Und du durchsteigst die Furt am Fluss und neigst dein Ohr, so daß du groß vernimmst, wie
Berggewaltig aufersteht die Hymne Welt, die Hymne jener Seinsgestalten.

Titanenhafte Dauer dröhnte einst hier unerlöst und drohend tief im Urgestein der Welt, im
abergestrigen Vergangensein;
Berggewaltig trommelt Tiefenkraft empor, da jetzt dein Ohr das Auge des geronnenen
Zyklons erreicht, Wo aufersteht im ruhigsten Innenraum der Welt die Hymne, die des Leibes Ursubstanz und
Ursprung singt. Berggewaltig dröhnt und jauchzt der Kaukasus…

Es war die raunende Hymne Welt…

Es war die raunende Hymne Welt, die ging wie Regen nieder, und wie Wind am späten Tage.
Da schlugen prasselnd Diamanten glitzernd auf die riesigen Terrassen wieder, aufwärts
spritzend.
Hier waren eingeritzt auf weiten Flächen noch Spuren heiliger Gewölbe eingetragen.
Und jenem Grundriss waren nachgegangen uralt unerlöste Prozessionen. Hier hausten Schicht an Schicht sich überlagernd Zeitenkreise, ineinanderklingend. Und laut im Onyx eingezeichnet lief die Götterfährte, dem Ohr vernehmbar, in die Ferne.

Es war die raunende Hymne Welt, die brausend niederging auf alten Platten.
Und über Horizonte fegten staunend Lieder mit; es blitzten Myriaden Tropfkristalle auf den
Tafeln auf und
Regen ein letztes Mal noch prasselnd laut auf glatten Steinterrassen mächtig nieder.

Es war die raunende Hymne Welt, die überging in großes Schweigen.
Und Stille stieg zu neuen Räumen dämmerhellen Lichts wie Rauch empor.

Und jenseits jener Stille zog in weiten Kreis ein Segen aus, vom fernsten Horizont nach innen.

EPILOG

Worte. (Art poétique)

Hier schliff er einst die Worte wund;
sein Tun war fingerkuppenschwer;
ihr Schmerz erreichte Hand und Mund.

Jetzt formte ihn das Wort nicht mehr,
weil er es grimmig formen wollte:
die Worte glitten kreuz und quer.

Die Liebe, die er ihnen zollte,
lag atemschwach im Mondenturm.
Ein fernes Donnergrollen rollte.

Dann suchte er den Sonnensturm,
Hielt Wort für Wort ins Flammenmeer,
und schmiedete die Schmerzen um…

So hielt er Wort für Wort ins Lodern…

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