Darvas: VIER MORGENLIEDER

Auf den Höhen den Kämmen…

Auf den Höhen den Kämmen
dem Morgengesang –
es entkeimt
ein rieselndes Wachsen
dem Denken dem Sinnen –
Ruhen im Wachsein –
Du Aufschwung am Morgen.

…Und es band in seine stille Stunde…

…und es band in seine stille Stunde
sich die Mär im Wellenwort, die Kunde
von einer Sicht die sich im Wachsen mehret:
jene Macht des ruhigen Werdens, die im Munde
sich zu süßem oder herben Weine wandelt, jene Wunde
schließend, die seit langer Zeit das Reifen schweret.
Und das süße, herbe Schmecken wird zu einem Funde,
welcher eingeht in das Wort – Palast und Tempel – himmlische Rotunde,
die am Ende selbst mit Himmlischem verkehret…

…das war wie eine neue Borte an der Gottheit Saum…

… das ist wie eine neue Borte an der Gottheit Saum…
Ich weilte weit und war abseits in hellem Staunen,
kein Farbenwechsel war, kein Schimmerspiel,
nur leichte Heimat da (und fernab auch Hochsommergrollen),
und meine Hand hielt deine Ähre hoch; ein Raunen
kam über uns und hier, ein stummes Wollen, welches kaum
in unsres Denken Witz und Kombinieren fiel. …
und doch erwachten wir gelassen mitten durch den Traum …

Auf der Fahrt entlang den Ufern…

Auf der Fahrt entlang den Ufern
war ein Rauschen aufgekommen.
Unser Lauschen galt den Rufern
deren Ruf wir aufgenommen.
Blauer Himmel, Wolkenkufen
ziehrten unser ruhiges Gleiten,
und wir spürten – helle Stufen –
sich die Atemfelder weiten.
An den Ufern die Gestalten,
rechts die Schatten, links die Hellen,
waren wie ein Schicksalswalten.
Fern am Abgrund war ein Bellen.
Rechts die Neuen, links die Alten,
webten Ruf an Ruf ins Rinnen,
und kein Ton ward aufgehalten,
weder draußen, weder drinnen.

 

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