Kay Kankowski

Neue und traditionelle Lieder
aus dem Norden Deutschlands

kkankowski_ „Ich wollte immer nur singen.“, so Kay Kankowski über seine Motivation, Musik zu machen. Schon als 10-jähriger griff er zur Gitarre und sang zusammen mit Eltern und Geschwistern deutsche und internationale Folklore. „In den späten 70ern war dann Fusion und Jazzrock angesagt, mit endlosen Improvisationen und ersten schrägen Kompositionen für die Schul- Bigband.“, grinst der Musiker. „Wir haben dann in unseren eigenen Bands einfach alles gemacht, was uns in die Finger und in den Sinn kam: freie Improvisationen, Blues, Rock, Punk, Funk. Und immer wieder habe ich deutsche Texte vertont, vorwiegend Gedichte von Freunden und auch Texte von großen Vorbildern wie Rilke, Trakl oder Brecht.“

Seit Mitte der 80er schreibt Kankowski auch selbst Texte in deutscher Sprache. „Zuerst waren das eher witzig-ironische Sachen, die ich für eine Band schrieb, die sich stilistisch an Hannes Bauer und Vitesse orientierte, also schnelle Boogies und fette Rockriffs.“

 

Liedermacher

kkankowski_iband Einige Jahre später kam es zu dem eher zufälligen Zusammentreffen mit Michael Biermann und Eric Siemens, die nun seit mehr als zehn Jahren musikalische Weggefährten sind. „Wir mochten uns auf Anhieb und wir verstanden uns blind von Anfang an, musikalisch gesprochen. Das war für mich der erste echte Anlass, ernsthaft deutsche Texte zu schreiben und eigene Musik für unseren dreistimmigen Satzgesang zu finden. Auf einmal war da ein perfekter Klangkörper, der mich inspirierte, aus dem ich die Melodien nur noch herauspflücken musste.“ Nach einem ersten gemeinsamen CD-Projekt 1996 („Horizont am Strand“) entstanden als Trio unter dem Namen TOSSE die Alben „Da gibt es noch mehr“ (1998) und „Schön, schön, schön“ (2003). Mit TOSSE ist Kankowski nun schon seit mehr als zehn Jahren im gesamten Bundesgebiet unterwegs. „Seit wir uns das Etikett ‚Liedermacher’ aufgeklebt haben, sind die Menschen plötzlich neugierig geworden und total erstaunt, dass wir dann doch so relativ poppig und unkonventionell daherkommen.“

Dieser gewisse Pop-Anteil bewog wohl auch die Jury des „Schleswig-Holsteiner Kompositionswettbewerb 2004″, Kay Kankowskis Komposition „Heimat“ für TOSSE mit einem ersten Platz und der „Goldenen Sprotte“ zu belohnen.

 

Folksmusik

[Bild nicht gefunden]Parallell zur eigenen Musik begann Kankowski sein Interesse für deutsche Volksmusik wiederzuentdecken. „Nicht zu verwechseln mit der sogenannten volkstümlichen Musik!“, betont der Musiker. „Mich begeistert die traditionelle Musik insbesondere aus meiner Heimatregion Südschleswig. Diese Melodien und Texte atmen die Lebensluft und Lebenslust zwischen Nord- und Ostsee. In dieser Ecke haben seit Jahrhunderten Friesen, Dänen und Deutsche ihre unterschiedlichen Kulturen in den nachbarschaftlichen Alltag eingebracht und damit diesen Landesteil entscheidend geprägt. Natürlich findet sich das auch in der Musik wieder.“ Er würde sich zwar nicht als ausgesprochenen Folkmusiker bezeichnen, „Ich finde diese deutsche Angewohnheit, alles und jeden in Schubladen stopfen zu müssen, ziemlich dämlich.“, empfinde es aber als großen Gewinn, mit Kollegen, die sich schon lange mit dieser traditionellen Musikform auseinandersetzen, musikalisches Neuland zu entdecken. So gibt die Zusammenarbeit in der Gruppe „Aver Liekers“ Kankowski die Möglichkeit, sich intensiv mit den Texten des norddeutschen Gesamtkünstlers Hein Hoop auseinander zusetzen. Eine Vielzahl dieser teils grotesk-komischen, teils anrührend-liebevollen Gedichte auf Hoch- und Plattdeutsch wurden bereits von ihm vertont. Einen anderen, ursprünglicheren Zugang zur Musik findet der vielseitige Künstler innerhalb der Folkband „hans dans“: „Hier wird richtig von Hand hart gearbeitet. Es darf beim Spielen auch gern geschwitzt werden. Schließlich schwitzt auch das Publikum, denn wir machen Tanzmusik, die aus unserer Region kommt, wie sie wahrscheinlich ohnehin klingen würde, wenn die Entwicklung ungebrochen geblieben wäre. Und ohne elektrische Verstärkung sind wir direkt an den Menschen dran. Das ist klasse.“ Einladungen zu renommierten Festivals wie „folk baltica“, „Venner Folkfrühling“ und „Tanz- und Folkfest Rudolstadt“ sowie die CD „folksdans & kandidel“ zeigen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

 

Ehrenamt

kkankowski_solo Neben den vielzähligen musikalischen Aktivitäten bleibt Kay Kankowski immer noch Zeit, sich ehrenamtlich für die Belange der (Folk-) Musik zu engagieren: ob als Gründungsmitglied und Vorsitzender von „hafenmusic e.V.“ (ein Eckernförder Verein, der u.a. jeweils im Winterhalbjahr eine Veranstaltungsreihe durchführt), als Vorsitzender des „Muckemacher e.V.“ (Förderung der Popularmusik in Eckernförde und Umgebung) oder als Vorstandsmitglied der „LAG Folk Schleswig-Holstein“;

„Auch die musikalische ‚Lobbyarbeit’ gehört dazu, wenn man etwas bewegen will.“, so der überzeugte Ehrenamtler. „Kontakte anbahnen und nutzen, Netzwerke knüpfen, wie zum Beispiel in der AG-Lied von Profolk e.V., wo wir Liedermacher aus dem ganzen Bundesgebiet uns regelmäßig treffen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Konzerte zu geben.“ Für sein „großes Engagement“ wurde Kay Kankowski 2007 der Kulturpreis „Die Goldene Bake“ des Vereins Strandfolk e.V. verliehen.

 

Nun etwas Neues

Als wäre das alles noch nicht genug, nun ein neues Projekt? „Eine richtige Band, ja.“, freut er sich. „Das erste Mal eine Band unter meinem eigenen Namen mit lauter tollen Kollegen.“ Der Gitarrist und Sänger wagt jetzt den Brückenschlag vom alten deutschen Volkslied zur modernen Liederlyrik. Scheinbar mühelos wechseln Kankowski & Band vom verspielten Liebes-Walzer aus dem 17. Jahrhundert zu folkig auftrumpfenden Versionen bekannter Deutschrock-Klassiker. „Ich wollte endlich mal versuchen, alles das, was ich in den vergangenen Jahren gemacht habe, in einer Gruppe zusammenzufassen, zu bündeln.“ Unterstützt von einer Band aus versierten Jazz- und Folkmusikern singt er mit wandlungsfähiger und ausdrucksstarker Stimme eine Auswahl seiner Lieblingslieder. „Ich nehme das sehr wörtlich. Allen Liedern bin ich direkt verbunden. Zu jedem Titel gibt es eine ganz persönliche Beziehung.“ Das Publikum darf sich freuen auf eine musikalisch und textlich anspruchsvolle Reise durch drei Jahrhunderte. Ob Chanson, Folksong, Pop oder Improvisation, „mit dieser Band ist echt alles möglich.“ In der musikalischen Partnerschaft geradezu unverzichtbar sind die langjährigen Weggefährten Michael Biermann (Gitarre, Gesang) und Eric Siemens (Percussion, Gesang). Harry Kretzschmar (Kontrabass) gehört zur Kieler Jazz-Szene wie die Regatta zur Kieler Woche und steht dem umtriebigen Bandleader auch schon seit einigen Jahren zur Seite. Der Akkordeonist der Band, Achim Prigge, ist dem aufmerksamen Szenebeobachter im Norden seit langem ein Begriff als Wanderer in den Grenzbereichen von Folk und Jazz. „Ich bin froh, dass er seine anschmiegsamen und zugleich fragilen Sounds beisteuert.“ Markus Zell gilt als einer der profiliertesten und gefragtesten Schlagzeuger nicht nur im Norden. Er spielt so timingsicher und variantenreich, dass man ihm nachsagt, er habe den Groove erfunden. „Diese fantastische Band entwickelt die zum Teil sehr unterschiedlichen Musikstile der Lieder zu etwas Neuem, sehr Lebendigem. Und ich darf einfach nur singen.“

 

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